Galgenwald - Das Mädchen vom Waldrand

Klappentext:

 

„Ausgerechnet nach Hannbach“, denkt sich Carina als sie mit ihrer Mutter in das kleine abgelegene Dorf zieht das an einem unheimlichen Wald grenzt. Alle warnen vor dem Wald. Doch Carina, wie von einer unsichtbaren Macht getrieben, hält sich immer öfter in seiner Nähe auf und begegnet dort einem geheimnisvollen Mädchen.

Und In der Schule lernt sie einen Jungen kennen. Jan, - den Carina ziemlich nett findet. Doch Tatjana, ein Mädchen aus ihrer Klasse, betrachtet Jan als ihr Eigentum und droht ihr. Schon bald muss sich Carina fragen wie gefährlich Tatjana wirklich ist.

Und was hat es mit dem Mädchen vom Waldrand auf sich?

Was hat sie vor?

 

Vorschau/Auszug aus dem Buch:

 

 

„Carina nun trödele doch nicht so. Nimm deine Kisten und trag sie hinauf in dein Zimmer.“

 Ärgerlich sah ich meine Mutter an. Ich hasste es wenn sie so mit mir sprach. Am meisten hasste ich es wenn sie das vor fremden Erwachsenen tat. Und am allermeisten, wenn Jugendliche in meinem Alter es mit bekamen.

Und beides war der Fall.

Die drei Männer vom Umzugsservice schauten mich aufmunternd lächelnd an und die fünf Jugendlichen auf der anderen Straßenseite kicherten schadenfroh.

Ich schnappte mir eine meiner Kisten und versuchte dabei nicht auf die andere Straßenseite zu sehen. Ich merkte wie mir die Röte ins Gesicht schoss. Das passierte mir immer wenn mir etwas peinlich war. Mit zügigen Schritten lief ich, bepackt mit einem vollen Umzugskarton, auf das Haus zu. Und dann geschah es. Ich übersah die erste Stufe, stolperte und fiel der Länge nach hin. Meine Kiste landete auf dem Gehweg und alle meine Sachen lagen auf dem Boden herum. Nun kicherten sie auf der anderen Straßenseite nicht mehr. Jetzt lachten sie.

In dem Moment kam meine Mutter aus dem Haus.

„Oh nein. Carina, was tust du denn schon wieder. So werden wir nie fertig. Es ist schon zwanzig Uhr vorbei und in einer halben Stunde muss der Wagen leer sein. Wieso bist du nur so tollpatschig. Kann man dich denn gar nichts an heißen? Was ist nur los mit dir?“

Kein Wort davon ob ich mir wehgetan hatte. Nur Vorwürfe. Und dann das Gelächter der Jugendlichen auf der anderen Straßenseite. Sie hatten alles haarklein mitbekommen und mir schossen die Tränen in die Augen. Ich stand auf.

„Mach doch einfach den ganzen Kram alleine“, fauchte ich meine Mutter an.

Ich schubste sie zur Seite als ich an ihr vorbei rannte. Ich ging hinauf in den zweiten Stock des Hauses, wo sich mein neues Zimmer befand. Zornig warf ich lautstark die Zimmertüre hinter mir zu. Mein Bett stand schon fertig aufgebaut mitten im Raum.

Ich hechtete mich darauf und presste mein Gesicht in die flauschige Wolldecke. Plötzlich sprang meine Katze Sammy zu mir aufs Bett und miaute, während sie sich mit ihrem samtweichen Fell tröstend gegen mich presste.

Das Fenster war leicht geöffnet und so konnte ich immer noch das Gelächter der Jugendlichen hören. Sicher galt es nicht mehr mir. Sie alberten dort auf der Straße herum und hatten mich längst schon wieder vergessen.

„Carina, kannst du denn gar nichts richtig machen?“, hörte ich ein Mädchen die Stimme meiner Mutter nachäffen.

Sie erntete dafür das grölende Gelächter der Jungs. Und das Lachen der beiden Mädchen klang für mich wie das Gackern von wild gewordenen Hühnern.

„Oh nein“, stöhnte ich in meine Decke. „Das war ja eine tolle Vorstellung.“

Laut schluchzte ich auf. Es war nicht fair. Ich wollte nicht in dieses Haus ziehen. Eigentlich war ich total dagegen gewesen als meine Mutter mir sagte wir würden in ein wunderschönes kleines Dorf umziehen. Wir hatten ein tolles Haus in einer großen Stadt. Dort wurde ich geboren. Ich hatte ein Zimmer und viele Freunde. Und nun saß ich hier in diesem Kaff fest. Meilenweit weg von meinen Freunden und dem Ort den ich geliebt hatte. Und das alles nur weil meinem Vater plötzlich eingefallen war, dass er sich von meiner Mutter scheiden lassen will, da er sich in eine andere Frau verliebt hatte. Meine Mutter ging nach der Scheidung wieder arbeiten, doch das Geld reichte nicht für unser tolles Haus. Nun hatte sie hier eine gut bezahlte Arbeit gefunden und dieses Haus auf dem Land war nicht so teuer.

Ja, mein Vater war an diesem ganzen Schlamassel schuld den ich hier nun durchlebte. Wegen ihm hatte ich nun keine Freunde mehr und saß hier alleine rum. Er war schuld, dass ich mich vor den Jugendlichen zum Affen gemacht hatte.

„Ich hasse dich Papa“, sagte ich und schlug dabei mit der Faust auf mein Kopfkissen ein.

Sammy hüpfte erschrocken vom Bett herunter, sah mich vorwurfsvoll an und ließ ein lautes klagendes Miau verlauten.

„Also dann bis morgen“, hörte ich die Mädchenstimme von der Straße durch mein gekipptes Fenster dringen.

„Ich hole dich morgen früh für die Schule ab“, rief ein Junge.

Neugierig schlich ich mich ans Fenster und schaute durch den Vorhangspalt hinaus.

„Tschüss Tatjana“, flötete das Mädchen mit den kurzen braunen Haaren und winkte der Blonden zu.

„Halt, warte mal Jan“, rief das blonde Mädchen, welches meine Mutter nachgeäfft hatte und hüpfte die Stufen vom gegenüber liegenden Haus hinunter.

Sie lief auf einen der drei Jungs zu und sagte etwas, was ich nicht verstehen konnte. Dann schlang sie ihre Arme um seinen Hals und küsste ihn auf die Backe. Der Junge stand reglos da und machte keine Anstalten irgendetwas zu erwidern. Ihm schien es eher unangenehm zu sein.

„Tja liebe Tatjana, der süße Jan will wohl nichts von dir wissen“, murmelte ich grinsend vor mich hin.

Als ich auf mein Handy sah wunderte ich mich über die späte Uhrzeit. Es war schon nach neun und meine Mutter hatte mich nicht zum Abendbrot hinunter gerufen. Leise öffnete ich die Tür und lauschte in den Gang. Von unten ertönten die leisen Schnarchgeräusche meiner Mutter. Für sie musste es ein harter Tag gewesen sein wenn sogar das Abendessen ausgefallen war. Auch ich spürte Müdigkeit aufkommen und nahm mir vor ins Bett zu gehen, denn am nächsten Morgen sollte mein erster Schultag sein. Ich seufzte bei diesem Gedanken.

Beim Frühstück war ich ziemlich wortkarg. Es war mir gar nicht geheuer mitten unterm Jahr in eine mir fremde Schule zu müssen, in der sich alle sicher schon seit der Grundschule kannten. Ich war froh, dass meine Mutter unseren Streit vom Vortag nicht erwähnte. Sie nahm mich in den Arm und meinte: „Nun mach doch nicht so ein langes Gesicht.“

„Du hast gut reden“, erwiderte ich. „Du musst ja nicht in eine Schule gehen wo du keine Menschenseele kennst.“

„Nein, aber ich muss zur Arbeit in der ich auch noch niemand kenne. Und ich weiß genau wie du dich fühlst“, grinste sie.

Sie drückte mich noch einmal fest an sich und ich konnte ihr Parfüm riechen, welches mir fast die Luft zum Atmen nahm.